Wenn die Dunkelheit sich wie eine warme Decke anfühlt

Ich erinnere mich noch genau:
Meine Kinder waren noch klein, draußen wurde es früh dunkel, und wir hatten einen dieser Nachmittage, an denen einfach alles passte.
Wir waren vorher draußen gewesen, Kastanien, Bucheckern, Eicheln und buntes Laub sammeln – die Taschen voll, die Nasen kalt. Später, zurück im warmen Wohnzimmer, flackerte überall Kerzenlicht und der Ofen in der Wohnzimmerecke sorgte für Kuschelatmosphäre. Das Räucherstövchen stand auf dem Tisch und verströmte diesen warmen, würzig-harzigen Duft, der sofort etwas in mir still werden ließ. Es roch nach Herbst – nach Harz, Beifuß, Kiefernholz.
Wir höhlten gemeinsam einen riesigen Kürbis aus, der sich unter unseren Händen langsam in einen Kürbisgeist verwandelte.
Aus dem Kürbisfleisch zauberten wir eine sämige Suppe – warm, würzig, vertraut. Verfeinert mit gerösteten Kürbiskernen und einem Hauch Kürbiskernöl.
Wärme von innen. Wärme von außen. Mehr braucht es nicht.
Diese Szene ist für mich Samhain.
Rückzug. Magie. Ahnenzeit.
Samhain feiern – Ein uraltes Fest des Übergangs
Wenn wir Samhain feiern, berühren wir ein uraltes Wissen:
Für die Kelten endete hier das alte Jahr – und ein neues begann.
Das Lebensrad dreht sich weiter – hinein in den dunkleren Teil des Jahres.
Die Natur zeigt es uns deutlich: Die Blätter fallen, die Pflanzen ziehen sich zurück, das Licht wird weniger.
Und trotzdem liegt etwas Erwartungsvolles in der Luft. Irgendetwas kehrt sich nach innen. Und das Neue – das ruht schon unter der Oberfläche.
Samhain spüren: Wenn die Welt stiller wird

Für mich hat diese Zeit etwas ganz Eigenes.
Der Nebel hängt tief, die Farben draußen sind satt und ruhig. Selbst die trüben Tage haben ihren Reiz – sie zeigen die Welt in einem anderen Licht, fast wie durch einen Schleier.
Samhain zu feiern ist für mich ein guter Moment, um mich zurückzuziehen. Nicht aus Rückzug, sondern aus Rückverbindung.
In vielen Kulturen wurde in dieser Zeit der Verstorbenen gedacht. Im Christlichen feiern wir Allerheiligen und Allerseelen – und bei den Kelten hieß es, dass die Schleier zwischen den Welten jetzt besonders dünn seien. Dass man den Ahnen nahe ist, wenn man still wird.
Herbstlicher Rückzug & Loslassen
Draußen wird es jetzt immer früher dunkel – und ich genieße es, mich zu Hause mit einer Decke auf die Couch zu kuscheln. Eine feine Tasse Tee, das Licht einer Kerze oder das Flackern im Ofen: All das hat für mich etwas Meditatives.
Die warmen Sommertage sind vorbei. Und genau deshalb lädt Samhain dazu ein, die Vergänglichkeit nicht nur zu beobachten, sondern auch innerlich zu spüren.
Loslassen darf leicht sein – und still.
Ein Abschied – ohne Drama.

In der Natur zeigt es sich ganz deutlich. Alles zieht sich zurück. Und auch wir dürfen innehalten und hinspüren, was nicht mehr mit uns ins neue Jahr gehen muss.
Frau Holle und das Tor zur Anderswelt
Auch Frau Holle gehört in diese Zeit.
Allerdings weniger als freundliche Märchenfigur. Eher als uralte Erdengöttin und Hüterin der Schwelle. In manchen Überlieferungen heißt es, dass sie die Verstorbenen heimholt, sie unter ihrem Mantel trägt, tief hinein in die Erde. Und dass einige dieser Seelen mit ihr weiterreisen – auf der Suche nach einer neuen Heimat auf Erden.
Frauen, die bereit waren, einer solchen Seele ein Zuhause zu schenken, stellten früher einen Teller mit Lebkuchen vor die Tür – ein kleines Zeichen, dass sie willkommen sind.
Manche deuten das heute so:
Die Kinder, die sich zu Halloween als Geister verkleiden, symbolisieren die Seelchen, die durch die Welt wandern, bis sie ankommen dürfen.
In alten Überlieferungen hingegen geht der Brauch des Verkleidens auf einen Schutzgedanken zurück:
Man verkleidete sich, um sich vor den Geistern zu verstecken – oder um sie zu vertreiben.
Der Kürbis und die Geschichte von Jack o’Lantern

Wusstest du das?
Der Brauch, Kürbisse zu schnitzen, geht auf die irische Geschichte von Jack o’Lantern zurück…
Die Geschichte von Jack o’Lantern erzählt von einem listigen Mann, der den Teufel austrickste – und zur Strafe mit einer ausgehöhlten Rübe und einem glühenden Stück Kohle durch die Dunkelheit wandern musste.
Später wurden daraus Kürbisse mit Fratzen, die Geister abschrecken oder verwirren sollten.
Und auch wenn sich der Brauch verändert hat: Die Botschaft blieb.
Ein Licht in der Dunkelheit. Ein Zeichen des Schutzes.
Samhain feiern mit Ritualen & Brauchtum
Viele Menschen, die Samhain feiern, greifen auf Rituale zurück, die entweder alt überliefert oder neu interpretiert sind. Und sie tun gut.
Ein Licht auf der Fensterbank
Damit die Ahnen den Weg zu dir finden können.
Etwas zu essen auf dem Tisch
Vielleicht ein Stück Apfelkuchen. Etwas Warmes. Etwas Liebes. Die Seelen der Ahnen freuen sich über diese Einladung
Ein Besen aus neunerlei Holz
Die Äste vom Boden gesammelt, nicht geschnitten – ein Zeichen des Respekts gegenüber der Pflanzenwelt. Forme daraus einen Besen und kehre symbolisch das alte Jahr mit seinen Energien aus deinem Zuhause.
Alles, was bleiben darf, bleibt. Alles andere: darf gehen.
Eine Jahreskerze gießen
Aus alten Wachsresten eine neue Kerze schaffen – für das neue Jahr. Sie wird zum Julfest entzündet. Als Licht, das uns durch die dunklen Wochen begleitet.
Heilpflanzen und Räucherwerk für Samhain

Für mich gehört das Räuchern einfach dazu.
Nicht aus Tradition, weil man das so macht. Räuchern ordnet etwas in mir, klärt, beruhigt.
Diese Pflanzen begleiten mich besonders gern durch diese Tage:
- Wacholderbeeren juniperus communis : machen wach, klären, stärken deine Konzentration und gelten als Symbol für ein langes Leben
- Kiefernnadeln, -zapfen, -rinde, -harz picus sylvestris: Trauer und Melancholie weichen ruhiger, besänftigender Freude
- Fichtenharz und -nadeln picea abies: reinigen, desinfizieren, bauen dich auf, verbreiten einen grünen, waldigen Duft („Weihrauch der armen Leute“)
- Beifuß artemisia vulgaris: entspannt und wärmt innerlich. Unterstützt Loslassen und Neubeginn
- Engelwurz angelica archangelika oder – sylvestris: kräftigt, vitalisiert stärkt die Lebensfreude. Lässt dich zuversichtlich nach vorne blicken
- Holunderblüten sambucus nigra: unterstützt dabei, Übergänge bewusst zu gestalten. Sie öffnen das Herz, wecken die Lebensgeister und verbreiten gute Stimmung
- Eisenkraut verbena officinalis: bringt dich in Schwung, wenn du müde und ausgelaugt bist, inspiriert und stärkt innerlich – gilt als „Diplomatenkraut“
- Getrocknete Orangenschale für eine fruchtige Note
Du kannst sie einzeln verwenden – oder so mischen, wie es sich für dich stimmig anfühlt.
Dankbarkeit & Rückblick zum Jahreskreisende

Samhain ist der Moment, das alte Jahr zu verabschieden – und dankbar zurückzublicken.
Was durfte wachsen? Was hat dich überrascht? Was war herausfordernd – und hat dich trotzdem weitergebracht?
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, um ganz bewusst nach innen zu lauschen (das Außen ist laut genug).
Wenn du mehr über den Rhythmus des Jahres und alle acht Jahreskreisfeste erfahren möchtest, findest du hier einen Überblick:
Im Rhythmus der Natur: Alles, was du über Jahreskreisfeste und ihre Kräuter wissen solltest – eine Einladung zur Rückverbindung
Hagebuttentee – Wärme & Kraft von innen

Wenn es draußen neblig und nass ist, wärmt mich ein Hagebuttentee von innen.
Einfach, aber wunderbar wohltuend. Und ganz nebenbei: gut für die Abwehrkräfte.
So geht’s:
- Eine gute Handvoll frische Hagebutten waschen und halbieren
- Mit ca. ¾ Liter Wasser übergießen und über Nacht ziehen lassen
- Am nächsten Morgen kurz aufkochen, dann 10 Minuten ziehen lassen
- Durch ein feines Sieb abfiltern
Der Tee schmeckt fruchtig, leicht vanillig – und bringt ein Stück Spätherbst in die Tasse.
Noch ein kleiner Impuls für dich…
Vielleicht möchtest du den Artikel nicht nur lesen, sondern auch ein Stück davon mitnehmen – in dein eigenes Samhain.
Diese Fragen begleiten mich jedes Jahr um diese Zeit. Vielleicht magst du sie wirken lassen – beim Spazierengehen, beim Räuchern oder mit Stift und Papier.
Journaling zum Jahreskreisfest Samhain
- Was darf jetzt gehen?
- Wofür bin ich dankbar, auch wenn es nicht leicht war?
- Was war in diesem Jahr besonders lebendig in mir?
- Welche Spuren haben Begegnungen, Erfahrungen, Krisen hinterlassen?
- Was möchte im kommenden Zyklus wachsen?
Ich sammle solche Impulse auch für andere Jahreskreisfeste – vielleicht entsteht daraus bald ein kleines Geschenk für dich, wenn du Samhain und andere Feste des Jahres feiern möchtest.
Ein letzter Hinweis
einige der genannten Rituale und Deutungen stammen aus alten Überlieferungen, andere aus modernen spirituellen Quellen. Ich teile sie so, wie ich sie in meiner Arbeit und in meinem persönlichen Jahreskreis erfahren habe.
Möge dein Samhain still, kraftvoll und segensreich sein.
Angelika
Nach Samhain steht mit dem Julfest die Wintersonnwende bevor – die längste Nacht des Jahres und zugleich der Moment, in dem das Licht neu geboren wird. Vielleicht möchtest du auch diesen Übergang ganz bewusst gestalten:
Wintersonnwende – das wiedergeborene Licht

Bildnachweis
Das Titelbild sowie ausgewählte Naturaufnahmen und das Räucherstövchen stammen aus eigener Fotografie.
Weitere Bilder:
– Foto vom Kürbis: © [Bild von Mátyás Varga auf Pixabay]
– Teetasse: © [Canva.com]
Vielen Dank an die Künstler:innen, die ihre Werke frei zur Verfügung stellen.