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Glow-Up für den Löwenzahn – der Klimawandel macht’s möglich?

Löwenzahn-Samenstände in der Dämmerung mit leuchtendem Effekt (symbolisches Bild)

Es war an einem Abend Ende März, als mir beim Blick in meinen Garten etwas auffiel. Mitten in meinem Kräuterrasen, ganz unspektakulär – und trotzdem musste ich zweimal hinschauen. Die Samenstände meines Löwenzahns schienen in der Dämmerung schwach zu leuchten. Ich dachte zunächst, ich bilde mir das ein. Aber der Effekt war da, zart und grün-silbrig, und verschwand wieder, als es vollständig dunkel wurde. Das hat mich nicht losgelassen und ich fing an, mich umzuhören und nachzufragen – und merkte schnell: ich hatte nicht als Einzige etwas bemerkt. Aus Gärten, Wegsäumen und Streuobstwiesen häufen sich seit einigen Wochen ganz ähnliche Berichte, besonders von Standorten mit lockeren, sandigen Böden.

Was bisher dazu bekannt ist

Noch ist nicht geklärt, worauf dieses Phänomen zurückzuführen ist. Erste Vermutungen gehen in verschiedene Richtungen. Im Gespräch sind bestimmte Mikroorganismen im Wurzelbereich, biochemische Stressreaktionen der Pflanze sowie Anpassungen an veränderte Umweltbedingungen. Vereinzelt wurde sogar die These aufgestellt, dass der Löwenzahn damit auf nachtaktive Insekten reagiert.

Auffällig ist, dass offenbar nicht die gelben Blüten betroffen sind, sondern vor allem die reifenden Samenstände. Das Leuchten soll nicht dauerhaft auftreten, sondern nur in einem kurzen Zeitfenster rund um den Übergang von Abenddämmerung zu Dunkelheit. Manche beschreiben den Effekt als silbrig-grün, andere eher als zart bläulich. Wieder andere berichten, dass er besonders gut nach warmen Tagen sichtbar werde, wenn die Luft noch leicht feucht ist. Erste Rückmeldungen deuten außerdem darauf hin, dass das Leuchten bei älteren Pflanzen etwas stärker ausfällt als bei jungen Beständen.

In Kräuterkreisen hat das natürlich schon für einige Unruhe gesorgt. Erste Stimmen sprechen bereits vom „Mondlöwenzahn“, andere von einer „Nacht-Pusteblume“. Auf kleineren Nachtwanderungen wurde das Phänomen wohl schon gezielt beobachtet. Wer Glück habe, so heißt es, könne es in mondarmen Nächten besonders gut erkennen – vorausgesetzt, die Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt und niemand leuchtet mit der Taschenlampe dazwischen.

Ganz praktisch wurde offenbar auch schon weitergedacht. Besonders intensiv soll das Leuchten zwischen 21:43 Uhr und 22:12 Uhr zu sehen sein. Erste experimentierfreudige Menschen wollen die Samenstände deshalb gezielt in diesem Zeitfenster sammeln. Ein Restaurant, so wurde mir zugetragen, arbeite bereits an einem saisonalen „Glow-Salat“. Oder kann man vielleicht diese Leuchtkraft energetisch nutzen zur Unterstützung der Energiewende? Und aus Familien heißt es, Kinder fänden eine Pusteblume als Nachtlicht deutlich schöner als alles, was man im Laden kaufen kann.

Leider muss ich an dieser Stelle einräumen, dass der leuchtende Löwenzahn bisher nicht über meine Fantasie hinausgewachsen ist. Ob sich das jemals ändert, ist derzeit offen. Am besten schaust du am nächsten 1. April wieder vorbei. April-April 😂

Was ich jetzt erzähle, klingt fast genauso abenteuerlich – ist aber wirklich wahr:

Ganz so unspektakulär, wie viele meinen, ist diese Pflanze nämlich trotzdem nicht. Während hier noch darüber gestritten wird, ob Löwenzahn in den Rasen gehört oder lieber ausgestochen werden sollte, arbeitet man anderswo längst mit einer besonderen Löwenzahnart als Rohstoffpflanze. Der russische Kautschuk-Löwenzahn (Taraxacum kok-saghyz) enthält in seiner Wurzel Naturkautschuk. Continental hat daraus bereits Fahrradreifen auf den Markt gebracht, und auch für Auto- und Lkw-Reifen wird weiter an solchen Anwendungen gearbeitet. Lies gerne bei Continental mehr über dieses Faszinosum.

Schon schräg eigentlich: Da wächst eine Pflanze fast überall so vor sich hin, wird oft als lästig abgetan – und gleichzeitig steckt in einer ihrer Verwandten ein Rohstoff, an dem ziemlich ernsthaft geforscht wird.

Der Löwenzahn muss also gar nicht leuchten, um erstaunlich zu sein.
Wenn du neugierig geworden bist, was diese Pflanze noch so alles drauf hat, schau doch mal in meinen Löwenzahn-Artikel – da habe ich schon einiges zusammengetragen. Und wenn du ihn dann noch immer aus dem Rasen ausstechen willst, komm gerne mit auf eine meiner Kräuterwanderungen. Du wirst aus dem Staunen nicht mehr rauskommen.

Frau sitzt im Wald angelehnt an den Stamm einer Buche

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