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Huch – wer bist du denn? Meine Begegnung mit dem Sumpf-Helmkraut

Zwei blauviolette Blüten des Sumpf-Helmkrauts (Scutellaria galericulata)

oder:
wie ich eine mir unbekannte Pflanze kennenlerne

Gelegentlich passiert es mir, dass mein Blick von einer Pflanze angezogen wird. So, als ob sie mich rufen würde.
Und genau so ist es mir in den Sommerferien ergangen. Ich war mit den Kindern im Ferienprogramm unterwegs. Wir haben Wald und Bach erkundet. Mein Blick war an diesem Tag natürlich überall: bei den Kindern, beim Weg, bei dem, was es unterwegs zu entdecken gab. Und dann fiel mir in einem kleinen, feuchten Graben eine kleine – wirklich sehr kleine – hellblau bis hell-lila Blüte auf.

„Huch, wer bist du denn?“

Ich hatte diese Pflanze bei uns bisher noch nie wahrgenommen. Auch an diesem Weg, den ich eigentlich öfter gehe, nicht.
Wer sie war, das wusste ich nicht. Und nach all den Jahren, die ich mich mit Wildpflanzen beschäftige, finde ich es mega spannend, eben nie „fertig“ zu sein. Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Ein Bestimmungsbuch hatte ich nicht dabei – aber mit dem Handy fotografieren konnte ich.
Also habe ich einige Bilder gemacht und zu Hause mein Bestimmungsbuch bemüht. Ich habe nachgeschlagen, verglichen und genauer hingeschaut. Schließlich landete ich beim Sumpf-Helmkraut – Scutellaria galericulata. Und aus meinem kurzen „wer bist du denn?“ wurde recht schnell ein längerer Ausflug in die Literatur.

Woher kommt eigentlich der Name Helmkraut?

Das Helmkraut gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) – also in dieselbe große Pflanzenfamilie wie Salbei, Minze, Gundermann oder Dost. Seine blauvioletten Blüten sitzen in den Blattachseln und wirken erst bei näherem Hinsehen richtig auffällig. Die Unterlippe ist heller und meist violett gezeichnet. Die Blätter stehen sich am vierkantigen Stängel gegenüber und sind am Rand leicht gezähnt. Wer sich die Blüten genauer ansieht, kommt dem Namen auf die Spur.

Charakteristisch für die Gattung Scutellaria ist vor allem der Blütenkelch. Nach der Blüte trägt er auf seiner Oberseite eine kleine schild- bzw. schalenartige Erhebung.

Sumpf-Helmkraut mit gegenständigen Blättern, Blüte und charakteristischem Kelch

Ein kleines Helmchen, wenn man so will. Der wissenschaftliche Name Scutellaria weist darauf hin – das lateinische scutella bedeutet: kleine Schale oder Schüssel. Wer das einmal entdeckt hat, vergisst es nicht wieder.

Das Sumpf-Helmkraut wächst bevorzugt dort, wo es eher feucht ist. An Gräben, Bachufern, feuchten Wiesen oder entsprechenden Waldrändern.

Je genauer man hinschaut, desto weniger unscheinbar wird die Pflanze. Aber das ist bei Wildpflanzen ja häufiger so.

Ein Helmkraut kommt selten allein

Spannend wurde meine Recherche vor allem, als ich feststellte, wie artenreich die Gattung Scutellaria ist. Weltweit gibt es mehrere hundert Scutellaria-Arten. Und einige davon spielen in verschiedenen traditionellen Medizinsystemen seit langer Zeit eine Rolle.

Besonders häufig sind mir das Baikal-Helmkraut (Scutellaria baicalensis) und das Amerikanische/Virginische Helmkraut (Scutellaria lateriflora) begegnet. Und schließlich auch unser Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata).
Da wurde es dann richtig interessant für mich.

Denn während Baikal- und Amerikanisches Helmkraut recht intensiv erforscht werden, fristet unser heimisches Helmkraut wissenschaftlich gesehen eher ein Schattendasein.

Doch auch zu unserem heimischen Helmkraut ist einiges überliefert.

In der Kräuterliteratur, etwa bei Sigrid Hirsch, wird das Helmkraut als Pflanze beschrieben, die in der Volksheilkunde als Tee verwendet wurde. Unter anderem bei Fieber, bei Entzündungen, Krämpfen oder zur Stärkung der Nerven. Es werden Eigenschaften wie krampflösend, harntreibend, nervenberuhigend, stärkend und zusammenziehend genannt.

Sie zieht auch Parallelen zum amerikanischen Helmkraut, das traditionell mit nervlicher Unruhe, Anspannung und Erschöpfung in Verbindung gebracht wird. Auch im Pflanzenkatalog der Kräutergärtnerei Rühlemann’s finden sich Hinweise zu diesen traditionellen Verwendungen.

Einen Hinweis auf die Verwendung als Räucherkraut habe ich ebenfalls gefunden. In Räuchermischungen soll es vor Unfrieden, Missgunst und unguten Einflüssen schützen, die von anderen ins Haus getragen werden.

Wie spannend. Ich mag solche Überlieferungen. Sie zeigen mir, wie Menschen früherer Zeiten Pflanzen wahrgenommen haben. Wozu sie ihnen gedient haben und in welcher Beziehung sie zu ihnen standen. Ungeprüft übernehmen tue ich diese Überlieferungen jedoch nicht.

Was ich mit solchem Pflanzenwissen mache

Will ich eine Pflanze näher kennenlernen, suche ich nicht nur nach aktuellen Studien. Ich schaue auch in ältere Kräuterbücher, in volksheilkundliche Überlieferungen und in moderne Fachliteratur. Mich interessiert, wie eine Pflanze von unseren Vorfahren verwendet wurde, welcher Pflanzenteil zum Einsatz kam, wie sie zubereitet wurde und in welchem Zusammenhang sie genutzt wurde.

Moderne Kräuterbücher sind dabei oft eine eigene Ebene. Autorinnen wie Ursel Bühring beispielsweise verbinden praktische Pflanzenheilkunde mit Erkenntnissen aus Phytotherapie und Forschung. Das ist etwas anderes als reine Überlieferung – und für mich sehr wertvoll.

Wenn ich Studien finde, schaue ich auch dort hinein. Welche Inhaltsstoffe wurden untersucht? Gibt es Hinweise, die eine überlieferte Anwendung stützen (das freut mich besonders)? Was ist über Sicherheit, Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen bekannt?

Und wenn ich keine Studie finde?

Für mich bedeutet eine dünne Studienlage nicht automatisch, dass eine Pflanze nichts kann. Sie bedeutet zunächst einmal nur: Wir wissen wissenschaftlich noch nicht besonders viel darüber.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Die Forderung nach wissenschaftlicher Evidenz hat uns viel Sicherheit gebracht. Das ist auch gut so. Forschung hilft uns, Wirkungen zu überprüfen, Risiken zu erkennen und Zusammenhänge besser zu verstehen. Gleichzeitig habe ich manchmal das Gefühl, dass wir uns gar nicht mehr zutrauen, selbst genau hinzuschauen, Erfahrungen einzuordnen und altes Wissen überhaupt noch ernst zu nehmen. Nicht ausreichend untersucht wird dann beinahe gleichgesetzt mit: wirkt nicht. Dabei sind das völlig verschiedene Aussagen.

Vieles von dem, was wir heute über Heilpflanzen wissen, entstand lange vor der modernen Forschung – durch Beobachtung, Erfahrung und Weitergabe.

Natürlich ist überliefertes Wissen nicht automatisch richtig. Menschen haben sich früher ebenso geirrt wie heute. Manche alte Anwendungen erwiesen sich später als unwirksam oder sogar problematisch. Umgekehrt ist eine Pflanze aber auch nicht wirkungslos, nur weil niemand Zeit und Geld investiert hat, um genau diese Art in einer klinischen Studie untersuchen zu lassen.

Meine Haltung liegt da irgendwo dazwischen: Altes Wissen weder unreflektiert übernehmen noch es allein deshalb verwerfen, weil es noch keine wissenschaftliche Studie dazu gibt.

Wie ich mich einer Pflanze annähere

Bevor ich etwas ausprobiere

Bevor ich mich selbst an eine Pflanze herantaste, prüfe ich für mich drei Dinge:

  • Ist die Pflanze in Literatur beschrieben, der ich fachlich vertraue?
  • Gibt es bekannte Hinweise auf problematische Giftigkeit oder Risiken, die gegen eine Anwendung sprechen?
  • Sind überlieferte Anwendung und Zubereitungsart für mich nachvollziehbar?

Wenn diese Punkte für mich stimmig sind, ist der Weg für eigene Erfahrung frei.

Hier beginnt die eigene Erfahrung

Eine Pflanze kennenlernen beginnt für mich schon viel früher. Eigentlich lange bevor ich überhaupt darüber nachdenke, was ich mit einer Pflanze machen könnte.

Zuerst schaue ich genau hin.

Wo wächst sie? Ist der Platz trocken oder feucht, sonnig oder schattig? Welche anderen Pflanzen stehen dort? Welche Tiere besuchen sie? Wie wächst sie – einzeln, in Gruppen, dicht gedrängt oder eher verstreut? Wie sehen die Blüten, der Stängel und die Blätter aus?

Dann kommen die Sinne dazu:

Wie fühlt sie sich an? Ist sie weich, rauh, behaart, glatt? Wie riecht sie? Verändert sich der Duft beim Zerreiben?
Und wenn ich sicher weiß, dass die Pflanze essbar ist: wie schmeckt sie? Mild, bitter, herb, scharf, süßlich?
Wie ist das Gefühl im Mund? Pelzig? Schleimig? Neutral?

Für mich gehört all das zum Pflanzenwissen dazu. Nicht nur der Name und die Frage, wofür ich sie verwenden kann.
Erst danach kommt die nächste Ebene.

Bei essbaren Pflanzen führt mein Weg oft über die Küche. Ich probiere unterschiedliche Zubereitungen aus und schaue, wie sich Geschmack, Konsistenz und vielleicht auch die Verträglichkeit ändern.

Bei Pflanzen mit heilkundlicher Verwendung nähere ich mich eher über Tee, Tinkturen oder andere Auszüge – je nachdem, was über die Pflanze bekannt ist und welche Inhaltsstoffe ich erreichen möchte. Andere Pflanzen lerne ich wiederum zuerst über eine äußere oder kosmetische Anwendung kennen.

Und auch hier gilt für mich: klein anfangen, beobachten, nicht vorschnell urteilen.

Vertrage ich die Pflanze gut? Spüre ich etwas? Ist die Zubereitungsform für mich passend? Wenn ich keine Wirkung bemerke, ist auch das zunächst eine Erfahrung. Zeigt mir mein Körper deutlich, dass ich eine Pflanze nicht vertrage, lasse ich sie sein.


Dazu eine kleine Geschichte: Auf einer Wanderung mit Freunden haben wir das indische Springkraut entdeckt. Die Samen schmecken wie Walnüsse. Sehr lecker, wie ich finde. Die anderen haben auch probiert und eine Freundin bekam ein sehr unangenehmes Gefühl im Rachen. Ein deutliches Zeichen, dass diese Pflanze für sie nicht verträglich ist. Denn jeder Körper ist anders und reagiert eben unterschiedlich.

Sprich: Wenn mir etwas gut bekommt, heißt das noch lange nicht, dass das bei dir genauso ist.

Und umgekehrt bedeutet es natürlich nicht automatisch, dass eine Pflanze völlig unproblematisch ist, nur weil ich unmittelbar nichts Negatives bemerke. Manche unerwünschten Wirkungen zeigen sich nicht sofort. Genau deshalb gehört die Prüfung bekannter Risiken für mich immer dazu.

Studien sind für mich eine zusätzliche Hilfe. Sie können etwas erklären, bestätigen (juhu!), relativieren oder auch widersprechen. Aber sie sind nicht die einzige Tür, um sich Pflanzenwissen anzueignen.

Ich brauche keine Studie als Erlaubnis, eine Pflanze kennenzulernen. Aber ich brauche genug Wissen, um mich ihr verantwortungsvoll zu nähern.

Wären unsere Vorfahren nur dem gefolgt, was bereits bewiesen war, gäbe es einen großen Teil unseres Pflanzenwissens heute nicht.

Eine Pflanze ist kein einzelner Wirkstoff

Was mir bei solchen Themen immer wichtig ist: Eine Pflanze ist kein Behälter für einen einzigen Wirkstoff.

Sie ist ein Vielstoffgemisch.

In ihr wirken viele Inhaltsstoffe nebeneinander und miteinander. Sie können sich ergänzen, gegenseitig beeinflussen, verstärken oder auch abschwächen. Oder überhaupt erst im Zusammenspiel miteinander das ergeben, was wir als Wirkung wahrnehmen. Für mich greift es deshalb oft zu kurz, wenn Forschung sich nur auf einzelne isolierte Stoffe konzentriert.

Verstehe mich nicht falsch – das ist nicht wertlos – im Gegenteil. Es ist spannend und wichtig zu sehen, welche Bestandteile einer Pflanze wissenschaftlich untersucht werden und zu welchen Schlüssen man kommt. Aber die ganze Pflanze ist damit noch lange nicht erzählt.

Wir kennen das auch von anderen Heilpflanzen. Weidenrinde und Mädesüß sind gute Beispiele dafür. Sie stehen in Zusammenhang mit Salicylaten und mit der Entwicklung moderner Arzneistoffe. Und doch ist ein Tee aus einer Pflanze nicht dasselbe wie ein isolierter Stoff in Tablettenform. Im Pflanzenverbund sind weitere Stoffe enthalten, die die Gesamtwirkung mit ausmachen. Und genau das meine ich.

Die Pflanze ist mehr als die Summe der Teile, die wir gerade benennen können.

Und was sagt die Forschung zum Helmkraut?

Auch in der Forschung taucht das Helmkraut immer wieder auf. Dabei ist es wichtig zu unterscheiden, welche Art untersucht wurde und ob es um die ganze Pflanze, einen Extrakt oder nur einen einzelnen Inhaltsstoff geht.

Am besten untersucht ist das Baikal-Helmkraut (Scutellaria baicalensis). Besonders im Blick stehen dabei die Flavonoide und in diesem Fall Baicalin, Baicalein, Wogonin und Wogonosid. Zu ihnen gibt es zahlreiche Untersuchungen, zum Beispiel zu entzündungshemmenden, antioxidativen und nervenbezogenen Wirkungen. Vieles davon stammt allerdings aus Zell- und Tierversuchen und lässt sich daher nicht einfach auf uns Menschen übertragen.

Spannend fand ich eine Arbeit aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. Dort wurde der Pflanzenstoff Wogonin genauer untersucht. In Zellversuchen zeigte sich, dass Wogonin in bestimmten Krebszellen den programmierten Zelltod (Apoptose) auslösen kann. Auch bei Tierversuchen wurden Effekte auf das Tumorwachstum beobachtet.

Wichtig ist dabei: Es wurde ein einzelner isolierter Stoff aus dem Baikal-Helmkraut untersucht. Nicht die ganze Pflanze und nicht unser heimisches Sumpf-Helmkraut.

Beim Amerikanischen Helmkraut (Scutellaria lateriflora) gibt es bereits erste Untersuchungen am Menschen. In einer kleinen Doppelblindstudie wurde geschaut, wie sich ein Extrakt auf Stimmung und Angst auswirkt. Die Ergebnisse waren zwar nicht eindeutig, gingen aber zumindest in die Richtung der traditionellen Verwendung als beruhigendes Nervenkraut.

Und unser heimisches Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata)?

Hier wird es interessant. Auch unser Sumpf-Helmkraut enthält einige der Stoffe, die aus der Forschung zu anderen Helmkrautarten bekannt sind. Nachgewiesen wurden unter anderem Baicalin, Baicalein, Scutellarin, Wogonin und Wogonosid. Außerdem zeigten die untersuchten Extrakte antioxidative Eigenschaften.

Das beweist jetzt noch nicht, dass unser heimisches Helmkraut genauso wirkt wie seine bekannteren Verwandten. Was man sagen kann, ist, dass es in die gleiche Richtung weist. Für mich ist das ein Hinweis darauf, dass es sich lohnt, die überlieferten Anwendungen genauer anzuschauen. Eine Pflanze wird traditionell genutzt und moderne Forschung findet darin Stoffe, die zur traditionellen Verwendung passen können. Ist das nicht spannend?

Die Überlieferung öffnet eine Tür - die Forschung leuchtet hinein.

Und wenn ich beides zusammen nehme, ergibt sich meist ein vollständigeres Bild, als wenn ich mir nur eine Seite ansehe.

Und sammle ich das Helmkraut jetzt?

Nein. Nicht diese Pflanze.

Denn an der Stelle, an der ich es gefunden habe, stand eben nur diese eine Pflanze.

Für mich war damit klar: sie bleibt stehen.

Achtsames Sammeln heißt für mich nicht nur, geschützte Arten zu respektieren oder nicht mehr zu nehmen, als ich wirklich brauche. Achtsames Sammeln heißt auch: ich schaue mir den Bestand an. Ich prüfe, ob eine Pflanze dort häufig wächst oder ob nur vereinzelt ein paar Exemplare vorkommen. Und wenn da nur ein paar wenige stehen, dann bedeutet das für mich: Hier ernte ich nicht – hier lerne ich die Pflanze kennen.

Auch das ist Pflanzenwissen: Nicht alles, was ich nutzen könnte, muss ich auch verwerten.

Häufige Fragen zum Helmkraut

Vielleicht sind dir beim Lesen noch ein paar ganz praktische Fragen gekommen. Die häufigsten habe ich dir hier kurz beantwortet:

Das Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata) wird in der Volks- und Erfahrungsheilkunde beschrieben. Genannt werden unter anderem nervenberuhigende, krampflösende und zusammenziehende Eigenschaften. Wissenschaftlich ist unsere heimische Art allerdings deutlich weniger untersucht als etwa das Baikal- oder Amerikanische Helmkraut.

In der Volksheilkunde wurde das Kraut als Tee verwendet. Für mich gehört vor einer eigenen Anwendung dazu, die Pflanze sicher zu bestimmen und sich mit bekannten Risiken, möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen zu beschäftigen.

Nein. Scutellaria galericulata und Scutellaria baicalensis gehören zwar zur selben Gattung, sind aber verschiedene Arten. Sie haben einige Inhaltsstoffe gemeinsam; ihre Wirkungen lassen sich deshalb aber nicht einfach gleichsetzen.

Untersuchungen fanden unter anderem die Flavonoide Baicalin, Baicalein, Scutellarin, Wogonin und Wogonosid. Einige dieser Stoffe sind auch aus der Forschung zu anderen Helmkrautarten bekannt.

Es bevorzugt feuchte Standorte, zum Beispiel Gräben, Uferbereiche, feuchte Wiesen und feuchte Säume.

Durchs Schlüsselloch

Ich glaube ja, wir Menschen überschätzen oft, wie viel wir über die Welt schon wissen. Gerade wenn wir uns schon länger mit einem Bereich beschäftigen, scheint sich doch sehr leicht das Gefühl einzuschleichen: Jetzt kenne ich mich aus – ich weiß, wie der Hase läuft – ich hab den Überblick.

Doch in Wahrheit sehen wir oft nur einen winzigen Ausschnitt. Wie jemand, der durch ein Schlüsselloch blickt und meint, den ganzen Raum zu kennen.

So empfinde ich es auch in der Pflanzenwelt. Wir wissen vieles. Ja. Wir haben geforscht, beschrieben, untersucht, benannt und gelernt. Trotzdem liegt da noch so viel im Verborgenen. So viel, was noch unentdeckt, unbeschrieben, unverbunden ist. Und je länger ich mich mit Pflanzen beschäftige, desto weniger denke ich: Jetzt weiß ich Bescheid.

Mir geht es eher so, dass ich merke: Ich weiß, dass ich nichts weiß!

Ich finde das auch nicht frustrierend. Im Gegenteil. Ich freue mich darüber. Ich freue mich, dass da immer wieder etwas Neues auftaucht. Dass eine kleine, unscheinbare Pflanze am Wegesrand mir noch immer neue Fragen schenken kann. Dass da noch so viel zu lernen ist.

Das kleine hübsche Sumpf-Helmkraut hat mich daran erinnert:

An die Demut.
An die Neugier.
An die Freude, nicht fertig zu sein.

Und begonnen hat diese Geschichte hier mit einem schlichten: „Huch – wer bist du denn?“

Du möchtest unsere heimischen Wildpflanzen besser kennenlernen?

Bei meinen Kräuterwanderungen schauen wir gemeinsam genauer hin, was direkt vor unserer Haustür wächst.

Frau sitzt im Wald angelehnt an den Stamm einer Buche

Quellen und weiterführende Literatur

Erfahrungsheilkunde und Kräuterliteratur

Sigrid Hirsch: Die Kräuter in meinem Garten
Rühlemann’s Kräuter & Duftpflanzen: Printkatalog, Pflanzenbeschreibung zum Helmkraut

Wissenschaftliche Literatur

Georgieva Y. et al. (2021)
Metabolite Profile and Antioxidant Activity of Some Species of Genus Scutellaria Growing in Bulgaria. Plants, 10(1), 45.

→ Inhaltsstoffe und antioxidative Aktivität von Scutellaria galericulata.

Shen J. et al. (2021)
Traditional uses, ten-years research progress on phytochemistry and pharmacology, and clinical studies of the genus Scutellaria. Journal of Ethnopharmacology, 265, 113198.

→ Überblick zu traditioneller Verwendung und Forschung der Gattung Scutellaria.

Brock C. et al. (2014)
American Skullcap (Scutellaria lateriflora): a randomised, double-blind placebo-controlled crossover study of its effects on mood in healthy volunteers. Phytotherapy Research, 28(5), 692–698.

→ Humanstudie zu Scutellaria lateriflora.

Baumann S. et al. (2008)
Wogonin preferentially kills malignant lymphocytes and suppresses T-cell tumor growth by inducing PLCγ1- and Ca²⁺-dependent apoptosis. Blood, 111(4), 2354–2363
.
→ Untersuchung von Wogonin als isoliertem Inhaltsstoff.

Hintergrundquellen

Deutsches Krebsforschungszentrum
Pflanzeninhaltsstoff mit selektiver Wirkung auf Krebszellen
→ gut verständliche Zusammenfassung der Wogonin-Forschung.

Schlosspark-Klinik Dirmstein
Pflanzen für die Psyche
→ verständliche Einordnung zu Scutellaria lateriflora.

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