
Es war einer dieser klaren Wintertage, an denen die Luft so kalt ist, dass sie in der Nase kitzelt.
Der Himmel leuchtete eisblau, die Sonne glitzerte auf der Schneedecke, und aus der Ferne hörte man Kinder lachen – Schlittenkufen, die über den festgefrorenen Schnee kratzen.
Nach einem langen Spaziergang durch die weiße Landschaft war ich glücklich über das Funkeln der Schneekristalle, diese besondere Stille, wenn Schnee liegt, die klare Luft – aber auch über die Aussicht auf Wärme.
Kaum stand ich zu Hause in der Küche, wanderte mein Blick automatisch zu den Kräutergläsern im Regal.
Es gibt kaum etwas Wohltuenderes, als in dieser Jahreszeit einen heißen Tee zu trinken.
Nicht irgendeinen, sondern einen, der Körper und Seele wärmt – und das Immunsystem gleich mit.
Gerade in den Wintermonaten, wenn der Hals kratzt und die Nase öfter läuft, darf eine gute Kräutermischung zum täglichen Ritual werden.
Tee ist dabei nicht gleich Tee. Schon kleine Unterschiede in der Zubereitung verändern Geschmack und Wirkung – und genau das macht das Thema so spannend.
Warum Teezubereitung nicht gleich Teezubereitung ist
Viele Menschen greifen in dieser Jahreszeit ganz automatisch zu Kräutertee.
Ein bisschen heißes Wasser, ein Beutel oder ein Löffel Kräuter hinein – fertig.
Doch Tee ist weit mehr als nur ein warmes Getränk.
Er ist ein kleiner Auszug aus der Natur, und die Art, wie er zubereitet wird, entscheidet, neben der Qualität der Zutaten, darüber, ob er seine ganze Kraft entfalten kann – oder ob ein Teil davon sprichwörtlich verduftet.
Drei Wege zum Tee – Aufguss, Dekokt und Kaltauszug
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Pflanzen für einen Tee anzusetzen:
den klassischen Aufguss (Infus), bei dem Blätter und Blüten mit heißem Wasser übergossen werden;
das Dekokt, bei dem härtere Pflanzenteile wie Wurzeln oder Rinden sanft ausgekocht werden;
oder den Kaltauszug, der besonders empfindliche Wirkstoffe schont.
Für meinen Immunfit-Tee – und für viele Alltagsmischungen – reicht der einfache Aufguss völlig aus.
Er ist unkompliziert, wohltuend und lässt sich wunderbar an den eigenen Geschmack anpassen.
Die kleine Kunst des Aufgießens
Tee zuzubereiten klingt simpel – Wasser heiß machen, Kräuter hinein, ziehen lassen.
Und doch liegt gerade in diesen kleinen Handgriffen die Kunst. Schon die Temperatur des Wassers, die Ziehzeit oder die Menge der Kräuter können darüber entscheiden, ob der Tee mild, kräftig oder vielleicht ein wenig bitter schmeckt.
Dosierung nach Gefühl statt nach Messlöffel
Was nützt eine perfekt dosierte Mischung, wenn sie zu stark ist – und dann ungetrunken bleibt?
Viele Anleitungen empfehlen exakte Maße: ein Teelöffel Kräuter auf 250 Milliliter Wasser, acht bis zehn Minuten Ziehzeit, Deckel drauf, abfiltern.
Für meinen Alltag halte ich mich da lieber an mein Gefühl.
Meist nehme ich eine Vier-Finger-Gabe pro Kanne oder eine Drei-Finger-Gabe pro Tasse – so, wie es sich für mich richtig anfühlt.
Und ich lasse den Tee auch nicht zu lange ziehen, weil ich feine, sanfte Aromen bevorzuge.
Sind in der Mischung Pflanzen mit vielen Gerbstoffen enthalten – etwa Brombeerblätter, kann der Tee schnell bitter schmecken und stopfend wirken. Deshalb lohnt es sich, auf das eigene Empfinden zu hören.
Letztlich ist Tee etwas sehr Persönliches.
(Wenn ich mir einen speziellen Heiltee zubereite, achte ich allerdings durchaus darauf, dass der Tee entsprechend dosiert ist und dass die Ziehzeit stimmt. Denn manche Stoffe in den Pflanzen benötigen -wie eben die Gerbstoffe- eine gewisse Zeit, bis sie im Wasser gelöst sind.)
Kleine Tipps für besten Geschmack und Wirkung
• Trockene Kräuter am besten als Ganzblattware aufbewahren und erst kurz vor dem Aufgießen zerkleinern – so bleiben die flüchtigen ätherischen Öle am besten erhalten.• Kräuter locker aufgießen, damit sie sich entfalten und ihre Wirkstoffe ans Wasser abgeben können.
• Den Tee beim Ziehen abdecken. Die kondensierten Tropfen vom Deckel gehören in die Tasse – sie enthalten wertvolle ätherische Öle.
• Frische Kräuter brauchen meist kürzere Ziehzeiten als getrocknete.
• Weiches Wasser bringt den Geschmack feiner zur Geltung als stark kalkhaltiges.
Am Ende zählt nicht, wie genau man sich an Zahlen hält, sondern dass Freude beim Zubereiten entsteht.
Denn erst dann entfaltet sich die eigentliche Wirkung – wenn man sich den Moment gönnt, den Tee bewusst zu genießen.
Mein Immunfit-Tee – Rezept & Wirkung
Wenn die Tage kurz und die Nasen kalt sind, liebe ich Teemischungen, die nicht nur wärmen, sondern auch das Immunsystem stärken.
Ich kombiniere dafür gerne Pflanzen, die sich gegenseitig ergänzen: manche bringen Wärme und Würze, andere besänftigen gereizte Schleimhäute, wieder andere liefern wertvolle Vitamine.
So entsteht ein Tee, der sanft, aber wirkungsvoll ist – und einfach gut tut.
Welche Kräuter ich sehr gerne verwende, kannst du in meinem Artikel 33 Heilpflanzen die dich durch das Jahr begleiten nachlesen.
So entsteht eine harmonische Kräutertee-Mischung gegen Erkältungen
Meine Immunfit-Mischung ist eine dieser Kombinationen, die – gering dosiert und immer wieder leicht variiert – fast das ganze Winterhalbjahr über begleiten kann: wohltuend bei den ersten Anzeichen einer Erkältung und wunderbar im Alltag.
Zutaten für deinen Immunfit-Tee)
- 3 Teile Beerenblätter (z. B. Brombeer-, Himbeer- oder Erdbeerblätter) – sie bilden die milde Basis, enthalten Gerbstoffe, wirken leicht zusammenziehend und geben der Mischung Fülle.
- 3 Teile Hagebuttenschalen – reich an Vitamin C, leicht fruchtig
- 2 Teile Holunderblüten – unterstützend bei Erkältungen, schweißtreibend
- 2 Teile Lindenblüten – sanft, ebenfalls schweißtreibend und stärkend für das Immunsystem. Zudem wohltuend für Hals und Atemwege
- 1 Teil Thymian – kräftigend, antibakteriell, bringt Wärme
- Nach Wunsch 1–2 Scheiben frischen Ingwer oder Zitrone pro Tasse / Kanne
Zubereitung
Etwa eine Drei-Finger-Gabe pro Tasse (oder nach Gefühl) mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen.
Zugedeckt 8 – 10 Minuten ziehen lassen – oder kürzer, wenn der Geschmack milder gewünscht ist.
Dann durch ein feines Sieb abseihen, in Ruhe genießen und spüren, wie sich die Wärme im Körper ausbreitet.
Wirkung und Genuss
Der Duft des Sommers in der Wintertasse
Diese Mischung stärkt die Abwehrkräfte, beruhigt Hals und Atemwege und schenkt neue Energie.
Sie ist sanft genug für den täglichen Genuss – und dennoch kraftvoll in ihrer Wirkung.
Der Duft erinnert an den Sommer, als die Pflanzen gesammelt wurden: leicht würzig, zart blütig, mit einer frischen Note der Melisse.
Ich bereite mir davon gern gleich eine größere Menge vor und bewahre sie in einem Schraubglas an einem dunklen Ort auf.
So steht sie bereit, wenn der Hals kratzt oder einfach nach etwas Wärmendem ist.
Tee als Ritual – und ein paar Worte zum bewussten Genießen
Eine kleine Tee-Pause für dich selbst
Eine Tasse Tee kann weit mehr sein als nur ein Getränk.
Sie ist eine kleine Pause im Alltag – ein Moment, in dem man innehält, den Duft einatmet und spürt, wie die Wärme langsam bis in die Fingerspitzen wandert.
Ich trinke meinen Immunfit-Tee oft am späten Nachmittag, wenn das Licht weicher wird und der Tag sich langsam verabschiedet.
Dann sitze ich gern am Fenster, schaue hinaus in die winterliche Landschaft und nehme mir einen Augenblick nur für mich.
Vielleicht magst du das ausprobieren: Den Tee nicht einfach nebenbei trinken, sondern ihn wirklich wahrnehmen – den Duft, die Wärme, das Gefühl von „angekommen sein“.
So wird aus einer einfachen Tasse Tee ein kleines Ritual der Selbstfürsorge.
Abwechslung für Körper und Sinne
Teemischungen sollten regelmäßig variiert werden.
Kräuter sind wirksame Pflanzen, und bei dauerhaftem Genuss kann es sinnvoll sein, eine Pause einzulegen oder andere Kräuter zu wählen.
So bleibt die Wirkung ausgewogen und der Körper in seiner Balance.
Ausblick und Einladung
Es gibt übrigens Pflanzen, die sich nicht für den klassischen Aufguss eignen.
Manche entfalten ihre Wirkung erst, wenn sie kurz aufgekocht werden – andere, wenn sie kalt angesetzt werden dürfen.
Darüber schreibe ich bald mehr: über Dekokt und Kaltauszug, die wertvollen Geschwister des Aufgusses.
Bis dahin wünsche ich viele wohltuende Teemomente, warme Hände und einen klaren Kopf durch die kalte Jahreszeit.
Wer Lust hat, die heimischen Kräuter besser kennenzulernen, ist herzlich eingeladen, bei einer meiner Kräuterwanderungen mitzukommen – oder auf dem Blog weiterzustöbern.
Vielleicht wartet dort schon die nächste Pflanze, die durch den Winter begleitet.
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Komm mit auf eine Kräuterwanderung und entdecke, was direkt vor deiner Haustür wächst

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Wichtiger Hinweis!
Die hier beschriebenen Anwendungen, Rezepte und Hausmittel stammen aus traditioneller Kräuterkunde, überliefertem Wissen und meiner persönlichen Erfahrung. Sie dienen ausschließlich der Information und stellen keinen medizinischen Rat und kein Heilversprechen dar.
Ich bin weder Ärztin noch Heilpraktikerin. Die Inhalte dieser Seite ersetzen nicht die Untersuchung oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal. Bitte wende dich bei gesundheitlichen Beschwerden, Unsicherheiten, Schwangerschaft, Stillzeit oder der Einnahme von Medikamenten an Ärztinnen, Ärzte oder Heilpraktiker.
Die Anwendung der vorgestellten Rezepte und Hinweise erfolgt eigenverantwortlich.

Hallo – ich bin Angelika aus der Kräuterwirkstatt
Draußen bei den Kräutern bin ich ganz in meinem Element – im Wald, auf dem Feld, am Wegesrand.
Als Kräuter- und Wildnispädagogin, Schwarzwald-Guide und Klimabotschafterin begleite ich Menschen in Workshops, Kräuterwanderungen und kleinen Begegnungen mit der Natur.
Was mich dabei leitet, ist eine Haltung, die ich Wildvertraut nenne – aufmerksam, verbunden und offen für das, was das Leben uns zeigt.
Sie zieht sich wie ein roter Faden durch alles, was ich anbiete. Mehr über Wildvertraut findest du hier.
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