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Wenn Pflanzen malen – Ferienprogramm mit Farben aus der Natur

Kinderhand mit bemaltem Papier: selbst hergestellte Pflanzenfarben in Grün-, Rot- und Gelbtönen.
Kunstwerk mit selbst hergestellten Pflanzenfarben

Pflanzenfarben selbst herstellen – mit Kindern, draußen, mitten in der Natur.
Was passiert, wenn aus Blüten, Beeren und Wurzeln plötzlich leuchtende Farben entstehen?
Wenn Kinder nicht nur malen, sondern die Farbe selbst gewinnen?
Genau das haben wir an zwei Tagen im Ferienprogramm ausprobiert – bei Regen und bei Sonne, an zwei ganz unterschiedlichen Orten. Und das Ergebnis war: verblüffend.

Beim ersten Termin meinte es das Wetter eher… kreativ mit uns.
Es hatte geregnet, nicht in Strömen, aber genug, um die Plane über unserer Pergola langsam durchhängen zu lassen. An einer Stelle sammelte sich das Wasser, und durch ein paar Löcher kam ein kleiner Wasserstrahl direkt auf die Bank darunter.
Wir rückten enger zusammen, tauschten Plätze, reichten uns Schälchen im Kreis. Die Kinder nahmen es gelassen – sie waren sowieso mitten im Tun.
Und vielleicht war es genau das, was die Stimmung so besonders machte: dieses „Wir machen das jetzt einfach trotzdem“. Draußen, gemeinsam, mit Pflanzen und Farben.

Zwei Tage später: anderer Ort, andere Stimmung.
Wieder eine Pergola – diesmal mit durchsichtigem Dach und Blick auf Wiese und Wald.
Sonnig. Warm. Licht, das sich auf den Tischen spiegelte. Ein kleiner Wind ging, aber ansonsten war alles ruhig.
Ideale Bedingungen für das, was wir vorhatten.

Auf dem Tisch wartete eine bunte Sammlung : geriebene Rote Beete, aufgegossenes Kaffeepulver, zerdrückte Mahonienbeeren – und in den Töpfen köchelten die Blüten von Goldrute und Rudbeckien vor sich hin.

Unser Ziel war es, Malfarben aus den Pflanzen herzustellen. Nicht aus dem Farbkasten oder der Tube, nicht fertig gekauft – nein, selbst gewonnen sollten die Farben sein.

Ein Mädchen stand vor dem Topf mit der Goldrute, beugte sich vorsichtig nach vorne – und dann kam es: Ein leises, fast ehrfürchtiges „Wow„.

Die Goldrute hatte sich in ein leuchtendes Zitronengelb verwandelt. Klar, kräftig, sonnig.
Ein paar andere kamen dazu, und plötzlich war der ganze Tisch erfüllt von diesem Zitronengelb.
„Das riecht wie Kräutertee!“ meinte eines, während ein anderer nur grinste und eifrig weiter rührte.

Im zweiten Topf köchelten Rudbeckienblüten – kräftig gelb mit schwarzem Mittelpunkt. Auch hier verwandelte sich langsam die Farbe des Suds.

Ein Junge schaute hinein, machte große Augen und sagte: „Das sieht aus wie Gold.“

Und tatsächlich: Im Edelstahl des Topfes spiegelte sich das Licht und der Sud glänzte wie dunkles, rötliches Gold – echt edel.
Ein paar Minuten später hatte sich dieser goldene Ton ganz allmählich in ein sanftes Grün verwandelt.

Zwei Töpfe – zwei Blüten – zwei völlig verschiedene Verläufe.

Und in den Gesichtern: echtes Staunen.

Warum ich Pflanzenfarben ins Ferienprogramm hole

Ich wollte mit den Kindern genau dieses Gefühl erleben: Dass man Farben, die sonst einfach da sind, mal mit ganz anderen Augen sieht. Und dass man sie entdecken, gewinnen und erleben kann.

Dass es eine Magie gibt im Auskochen von Blüten oder im Reiben von Rüben und Stampfen von Beeren – wenn wir mit allen Sinnen dabei sind.

Hinter jedem Farbton steckt ein Prozess – eine Pflanze – ein Duft – eine Farbe, die sich wandelt. Und ganz ehrlich: mit selbst gemachten Farben zu malen, das bringt eine ganz andere Tiefe rein.

Und der Stolz im Gesicht der Kinder – das berührt mich sehr.

Wie wir Pflanzenfarben hergestellt haben

Die Kinder haben rote Beete gerieben (mit Handschuhen, weil das wunderschöne, fast pinke Rot auch alles andere färbt), Mahonienbeeren zerdrückt (für ein sanftes ins lila gehendes Blau), Kaffeepulver aufgegossen (ein warmes braun) und die Rudbeckien- und Goldrutenblüten mit etwas Alaun in Wasser ausgekocht.

Die Goldrute ist dabei besonders dankbar:
sie wächst bei uns in Hülle und Fülle – gut verfügbar und besonders leicht zu verarbeiten – dieses kräftige, klare Gelb macht einfach Freude. Zudem ist es erstaunlich Lichtecht.

Die Rudbeckien waren für alle ein kleines Überraschungspaket:
Was beim Kochen erst wie Gold schimmerte, wurde später auf dem Papier zu einem feinen, sanften Grün.

Besonders schön war es, wie sehr die Kinder mit allen Sinnen dabei waren.
Und es ging dabei nicht darum, perfekte Ergebinsse zu erzielen, sondern ums Tun.
Ums Entdecken und ums Staunen.

Magie eben.

Was Pflanzenfarben bei Kindern bewirken

Wenn Kinder erleben, dass sie mit ihren eigenen Händen etwas erschaffen können – und dass sie Farben aus Dingen gewinnen, die am Wegesrand wachsen oder in der Küche zu finden sind – dann passiert etwas.

Sie erleben Natur nicht als „Hintergrundkulisse“, sondern als aktiven Raum voller Möglichkeiten und Wunder.
Sie lernen mit der Nase, mit den Fingern, mit den Augen, sie werden neugierig, sie probieren aus und sie überlegen, was sonst noch färben könnte (Was hat die Wegwarte doch für ein wunderschönes Blau auf das Papier gebracht, als ein Mädchen die Blüte direkt aufs Papier gerieben hat).

Ein ganzheitliches Lernen, das nicht anstrengt, sondern die Fantasie anregt.

Warum das heute so wichtig ist

Wir leben in einer Welt, in der es vieles fix und fertig im Laden zu kaufen gibt. Wir greifen zu und nutzen.
Das ist einerseits sehr bequem, aber es geht auch ein Gefühl verloren – das Gefühl, Dinge selbst erschaffen zu können. Etwas mit eigenen Händen zu machen. Einen Bezug zu bekommen zur Quelle von dem, was wir verwenden.

Pflanzenfarben bringen dieses Gefühl zurück.

Sie zeigen: Natur ist nicht nur Kulisse. Sie ist Werkstatt, Schatzkiste, Wunderraum.
Und Kinder sind keine Konsument*innen, sondern kleine Forscher*innen – wenn man sie lässt.

Und vielleicht, beim nächsten Spaziergang…

…einfach mal eine Handvoll Blüten, Blätter oder Zapfen mitnehmen. Zuhause auskochen, abkühlen lassen und einen Pinsel damit übers Papier tanzen lassen.

Nicht weil’s muss, sondern weil’s schön ist.
Weil es den Blick schärft. Und weil Farbe manchmal da ist, wo man sie nie vermutet hätte.

Es lohnt sich.

Du möchtest selbst mit einer Kindergruppe in die Welt der Pflanzenfarben eintauchen?
Oder suchst nach einem Ferienangebot oder Angebot für einen Kindergeburtstag mit Naturbezug?
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Frau sitzt im Wald angelehnt an den Stamm einer Buche

6 Gedanken zu „Wenn Pflanzen malen – Ferienprogramm mit Farben aus der Natur“

  1. Vielen Dank für Deinen wunderschönen Artikel. Beim Lesen hatte ich beinahe das Gefühl, selbst dabei zu sein, weil Du so eindrücklich alles beschreibst. Ich kann den Zauber dieser Stunden direkt spüren.

  2. Danke, dass du das mit den Kindern gemacht hast, und danke, dass du dieses Erlebnis hier teilst ???? Ich hatte beim Lesen echt Gänsehaut.

    Ich unterrichte nur Mathematik und habe als Lehrerin an der Schule NaWi unterrichtet, aber diesen Wow-Effekt bei Kindern kenne ich auch, und er ist fantastisch, wenn wir da live dabei sein dürfen.

    Was du diesen Kindern mitgegeben hast, ist so wertvoll und so wichtig, ich bin ganz gerührt ????

    1. Hallo liebe Angela,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar, der mich sehr berührt hat. Für mich ist es auch immer etwas ganz besonderes, wenn die Augen der Kinder zu leuchten beginnen und ich sehe, dass Lernen so ganz nebenbei passieren und so viel Freude machen kann.

  3. Wow, wie toll! Es gibt nichts Schöneres, als selbst etwas herzustellen und wenn man damit dann auch noch toll malen kann – umso besser! Dein Artikel sprüht so voller Energie, dass ich beim Lesen habe ich richtig Lust bekommen habe, das auch einmal auszuprobieren 😉

    1. Hey Sabine,
      wie schön, dass dich mein Artikel inspiriert, die Pflanzenfarben auszubrobieren.
      Schreib mir gerne, wenn du deine ersten Erfahrungen mit den Pflanzenfarben gemacht hast und wie es sich für dich anfühlt, mit den eigenen Farben zu malen.

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