
Ein uraltes Hausmittel erlebt seine Renaissance – süß, sauer und tief verwurzelt in der Volksheilkunde.
Draußen hängt der Nebel noch zwischen den Bäumen, und die kalte Luft beißt ein wenig in der Nase.
Der Atem steht als kleine Wolke vor dem Gesicht, während ich die Tür hinter mir schließe und in die warme Küche gehe.Dort wartet schon ein Glas Honig auf mich. Daneben Apfelessig, frisch geschnittene Tannennadeln – und ein Löffel. Ich rühre mein Wald-Oxymel an.
Dieses einfache Hausmittel begleitet mich schon viele Winter. Es stärkt den Körper, wenn die Tage kürzer werden, und gehört für mich ganz selbstverständlich in diese Jahreszeit. Die Zutaten dafür sind seit jeher Teil unserer Volksheilkunde: Honig, Essig und Pflanzen aus Wald und Wiese.
Oxymel – so nennt sich diese Mischung aus Honig und Essig, die manchmal mit Heilpflanzen angesetzt wird. Schon vor über 2.000 Jahren war sie in der Naturmedizin bekannt und wurde genutzt, um die Abwehrkräfte zu unterstützen, den Stoffwechsel anzuregen und den Körper sanft zu reinigen.
In diesem Beitrag erfährst du, was Oxymel genau ist, warum es gerade in der Erkältungszeit so wertvoll sein kann – und wie du dein eigenes Wald-Oxymel ganz einfach selbst herstellen kannst.
Honig – das goldene Herz des Oxymels

Wenn ich Honig sage, sehe ich sofort meine Bienen vor mir – emsig, warm, lebendig. Und manchmal, wenn ich das Glas öffne, habe ich gefühlt ihr Summen im Kopf. Und ich bin dankbar, dass ich ein wenig von ihrem Honig für mich und meine Familie nutzen darf. Denn Honig ist nicht nur ein süßes Nahrungsmittel, sondern eines der ältesten Heilmittel der Menschheit. Schon in alten ägyptischen Schriften – über 3.000 Jahre alt – wurden Hunderte Rezepte beschrieben, in denen Honig eine Rolle spielte.
Er enthält über 180 verschiedene Inhaltsstoffe: Zuckerarten, Enzyme, ätherische Öle, sekundäre Pflanzenstoffe, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Diese Zusammensetzung macht ihn so besonders. Honig wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, beruhigend, heilungsfördernd und stärkend. Und bei all den gesundheitlichen Vorteilen schmeckt er dabei auch noch echt lecker.
Leider wird Honig heute dennoch oft einfach als „Zucker“ betrachtet. Doch er ist viel mehr: ein lebendiges Naturprodukt, das zudem im Körper basisch verstoffwechselt wird und damit ausgleichend wirkt – im Gegensatz zu industriellem Zucker, der Entzündungen im Körper fördert.
Kein Wunder also, dass Honig seit Jahrtausenden als Heilmittel geschätzt wird – und dass er im Oxymel seine volle Kraft entfalten darf. In dieser süß-sauren Verbindung ergänzen sich seine nährenden Eigenschaften mit der klärenden, anregenden Wirkung des Essigs.
Zeit also, auch den zweiten im Bunde näher kennenzulernen: den Essig.
Essig – altbewährtes Heilmittel mit Biss

Ebenso wie der Honig hat auch Essig eine lange Geschichte als Heilmittel. Essig riecht für mich nach Sommer im Glas – nach alten Zeiten, in denen man mit dem, was man hatte, klug umging.
Schon die alten Assyrer, Phönizier und später Hildegard von Bingen wussten um seine Wirkung.
Sie schrieb:
„Weinessig... mindert die schlechten Säfte und führt die Nahrung in den rechten Weg.“
Essig entsteht durch natürliche Gärung – ein lebendiger Prozess, bei dem Essigsäurebakterien und Hefen zusammenarbeiten. Er enthält Antioxidantien, Enzyme, Mineralstoffe und Spurenelemente und wirkt kühlend, fiebersenkend und anregend für die Verdauung.
Äußerlich angewendet hilft er bei Sonnenbrand, Schwellungen oder Entzündungen, innerlich stärkt er die Abwehr und sorgt für eine gesunde Darmflora.
Warum Honig und Essig zusammen so wirkungsvoll sind
Wenn Honig und Essig zusammenkommen, entsteht etwas Besonderes: Oxymel, auch „Sauer-Honig“ genannt. Diese Mischung ist seit rund 2.500 Jahren in der Naturmedizin bekannt und gilt in der traditionellen Anwendung als wirkungsvoller als Honig oder Essig allein.
Oxymel ist reich an Antioxidantien, Enzymen, Mineralstoffen und Vitaminen. Es unterstützt den Körper auf vielen Ebenen:
- antibakteriell und antiseptisch
- entgiftend und regenerierend
- immunstärkend und entzündungshemmend
- verdauungsfördernd und stoffwechselregulierend
- ausgleichend und gut verträglich
Angelehnt an den Gesundheitsspruch zum Apfel könnte man also durchaus sagen:
„An Oxymel a day keeps the doctor away.“
Das Einzige, was dabei fehlt, sind die Ballaststoffe: also einfach zusätzlich den Apfel essen.
Oxymel kann pur eingenommen oder verdünnt als Getränk genutzt werden, das dem Körper schnell Flüssigkeit und Mineralstoffe zuführt. Auch Kinder vertragen es gut, weil es frei von Alkohol ist.
Oxymel als alkoholfreie Alternative zu Tinkturen
In der Pflanzenheilkunde wird häufig Alkohol als Lösungsmittel verwendet – etwa in Tinkturen. Alkohol ist sehr effektiv, um bestimmte Inhaltsstoffe aus Pflanzen zu lösen. Doch nicht jeder möchte oder kann Alkohol nutzen.
Hier bietet Oxymel eine bewährte Alternative: Sowohl Honig als auch Essig sind in der Lage, viele wertvolle Pflanzeninhaltsstoffe herauszuziehen – wenn auch auf eine sanftere Weise. Dafür sind sie gut verträglich und kommen ganz ohne Alkohol aus.
So lässt sich eine pflanzliche Hausapotheke aufbauen, die mild, bewährt und auch für Kinder geeignet ist.
In meiner eigenen Arbeit mit Heilpflanzen ist Oxymel ein fester Bestandteil meiner persönlichen Hausapotheke. Es lässt sich einfach ansetzen, gut variieren und über viele Monate hinweg nutzen.
Für dein eigenes Oxymel brauchst du tatsächlich nur wenige, gute Zutaten – und etwas Geduld.
Rezept: Dein Wald-Oxymel zum Selbermachen
Du benötigst:
- 3 Teile guten Bio-Honig
- 1 Teil naturbelassenen Apfelessig (roh, unfiltriert, ohne Zusätze)
- 1 Teil Fichten-, Tannen-, Kiefern- oder Douglasiennadeln
- 1 Prise Salz
Tipp zur Ernte der Nadeln:
Wenn du nach Weihnachten noch Zweige von deinem Bio-Weihnachtsbaum hast – perfekt!
Ansonsten kannst du beim nächsten Spaziergang im Wald nach frischen Zweigen Ausschau halten. Oft liegen dort beim Durchforsten anfallende, abgebrochene Äste herum.
Hinweis: Bitte achte unbedingt darauf, dass du keine Eibe verwendest. Diese ist extrem giftig!
Wenn du direkt am Baum erntest, sei bitte besonders achtsam:
Ernte nie die Triebspitze junger Bäume – sonst wachsen sie verkrüppelt nach und werden anfälliger für Wind und Schnee. Nimm lieber zwei bis drei kleine Zweigabschnitte pro Baum, und geh dann weiter zum nächsten.
Wenn du magst, bedanke dich innerlich bei den Bäumen – vielleicht mit einem kleinen Lied oder einer Handvoll Kräuter am Stamm. Für mich ist das zu einem schönen Ritual geworden und ich fühle mich einfach gut dabei, als Zeichen meines Respekts und Ausgleich für die genommenen Pflanzenteile, meinen Dank auszudrücken. Ein Geben und Nehmen
So geht’s:
- Honig und Essig in ein Glas geben und gut verrühren.
- Die Nadeln klein schneiden und leicht anmörsern.
- Unter die Honig-Essig-Mischung rühren.
- Glas verschließen und an einem hellen, aber nicht sonnigen Ort 3 – 4 Wochen ziehen lassen.
- Abseihen, in Flaschen füllen und kühl lagern.
Dein Oxymel hält sich bei kühler und dunkler Lagerung etwa ein Jahr.
Anwendung: So nutzt du dein Waldoxymel
- Bei Erkältungssymptomen kannst du einen Teelöffel pur nehmen.
- Oder du gibst 2 Esslöffel auf 1 Liter Wasser und trinkst es über den Tag verteilt.
- Auch im Tee schmeckt es wunderbar – leicht süß, erfrischend und wohltuend.
Das steckt in deinem Waldoxymel
Unsere Nadelbäume sind wahre Kraftpakete der Natur. Ihre Nadeln enthalten Vitamin C, ätherische Öle, Harze, Gerbstoffe und Chlorophyll.
Das Waldoxymel wirkt:
- mineralisierend und zellschützend
- entzündungshemmend und antibakteriell
- stoffwechselanregend und entgiftend
Ein echter Schatz also – besonders in der Erkältungszeit.
Fun Fact: Nadelbäume betreiben sogar im Winter Photosynthese und produzieren Chlorophyll - dein Waldoxymel ist also voller lebendiger Energie!
Fazit
Oxymel vereint die Heilkraft des Honigs, die Reinheit des Essigs und – wenn du magst – die lebendige Energie der Pflanzen.
Für mich ist jedes Glas ein kleines Stück gelebte Volksheilkunde – ein Stück Verbindung zu den Menschen, die vor uns schon wussten, wie reich die Natur ist. Wenn du also das nächste Mal spürst, dass eine Erkältung im Anflug ist: Vielleicht probierst du einfach dein eigenes Wald-Oxymel aus.
Dein Körper wird es dir danken – und vielleicht spürst du dabei auch ein bisschen von dieser alten, stillen Kraft, die im Honig und im Wald wohnt.
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Zum Weiterlesen:
Quellen: AOK – Gesundheitsmagazin
Buchtipp: Gabriela Nedoma – Oxymel – Aesculus Verlag
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Wichtiger Hinweis!
Die hier beschriebenen Anwendungen, Rezepte und Hausmittel stammen aus traditioneller Kräuterkunde, überliefertem Wissen und meiner persönlichen Erfahrung. Sie dienen ausschließlich der Information und stellen keinen medizinischen Rat und kein Heilversprechen dar.
Ich bin weder Ärztin noch Heilpraktikerin. Die Inhalte dieser Seite ersetzen nicht die Untersuchung oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal. Bitte wende dich bei gesundheitlichen Beschwerden, Unsicherheiten, Schwangerschaft, Stillzeit oder der Einnahme von Medikamenten an Ärztinnen, Ärzte oder Heilpraktiker.
Die Anwendung der vorgestellten Rezepte und Hinweise erfolgt eigenverantwortlich.

Hallo – ich bin Angelika aus der Kräuterwirkstatt
Draußen bei den Kräutern bin ich ganz in meinem Element – im Wald, auf dem Feld, am Wegesrand.
Als Kräuter- und Wildnispädagogin, Schwarzwald-Guide und Klimabotschafterin begleite ich Menschen in Workshops, Kräuterwanderungen und kleinen Begegnungen mit der Natur.
Was mich dabei leitet, ist eine Haltung, die ich Wildvertraut nenne – aufmerksam, verbunden und offen für das, was das Leben uns zeigt.
Sie zieht sich wie ein roter Faden durch alles, was ich anbiete. Mehr über Wildvertraut findest du hier.
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